Dossier
Dossier: Brian Eno – die besten Alben (II)
Die Kollaborationen
Brian Eno & Robert Fripp: «No Pussyfooting» (1973)
Die Kombination von Enos Tape-Loops und Robert Fripps Gitarren ergibt eine dichte, proto-ambiente Repetitionsmusik auf halbem Weg zwischen den äusseren Kreisen von Krautrock und Minimalmusik.
Diverse: «June 1, 1974» (1974)
Die Live-Aufnahme eines Gemeinschaftskonzertes mit John Cale, Kevin Ayers, Nico, Robert Wyatt und Mike Oldfield. Ein Zeitdokument.
«Cluster & Eno» (1977)
Die Paarung mit den geistesverwandten Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius (sowie Holger Czukay) ergibt eine Sammlung von kurzen und leicht verdaulich-schönen Stimmungsstücken.
Brian Eno & David Byrne: «My Life in the Bush of Ghosts» (1981)
Noch ganz mittels analoger Technologie schufen Eno und Byrne hiermit einen frühen Klassiker der Sampling-Technik und schlugen dazu eine Brücke nach Afrika. Sie versahen ihre new-wavehaften Funk-Stücke teils mit am Radio «gefundenen» Gesangs- und Sprachfetzen, teils mit klanglichen Fundstücken aus Afrika. Ein epochales Album.
Brian Eno & John Cale: «Wrong Way Up» (1990)
John Cale behauptet, Eno habe ihn während den Aufnahmen für dieses fast schon mainstreamhafte Rocksong-Album mit einem Bleistift angegriffen.
Brian Eno & Jah Wobble: «Spinner» (1995)
Eno übergab dem einstigen PIL-Bassisten Jah Wobble die Mastertapes von einem Soundtrack, den er für eine postum gezeigte Super-8-Filmcollage von Derek Jarman angefertigt hatte. Wobble solle damit machen, was er wolle. Ganz seinem Stil entsprechend hat dieser da und dort seinen bauchigen Bass eingefügt und hebt zudem die Geistesverwandtschaft von Ambient und Dub hervor.
The Passengers: «Passengers: Original Soundtracks 1» (1995)
Die waghalsige, dichte Klang-Collage hätte ein U2-Album werden sollen, aber Island Records befürchtete einen Karriereselbstmord ihrer goldenen Gans und bestand auf ein Pseudonym. Je nach Perspektive das interessanteste oder das schlimmste U2-Album – auf jeden Fall ein starkes Stück Eno-Tabak.
Brian Eno & David Byrne: «Everything That Happens Will Happen Today» (2008)
David Byrne beschreibt das neue Album mit Brian Eno als «electronic Gospel». Er hätte auch «electronic Country & Western» sagen können. Die Songs klingen oft erstaunlich gradlinig und folkig. In der Tat gefallen die konventionellen Stücke besser als die gelegentlichen Versuche mit der unterdessen etwas aufgebraucht wirkenden Collage-Technik.
Brian Eno / Karl Hyde: «High Life» (2014)
Die Polyrhythmik der Gitarre von Karl Hyde (Underworld) als grosse Verneigung Richtung afrikanischer Musik, aber auch als Reminiszenz an «My Life in the Bush of Ghosts» – eingebettet in Enos Klangstruktur. Zudem singt Eno kongenial zu den verflochtenen Mustern so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Zusammengestellt von Hanspeter Künzler & Rudolf Amstutz


