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Melissa McCarthy in «The Heat» von Paul Feig

Die laute Darstellerin mit den leisen Tönen

Nicht erst seit «Bridesmaids» ist Melissa McCarthy die neue Anti-Heldin des amerikanischen Kinos. In der Action-Komödie «The Heat» lässt die 43-Jährige nun an der Seite von Sandra Bullock die Fetzen fliegen.

Rudolf Amstutz·3. Juli 2013·4 Min.

Sandra Bullock (links) und Melissa McCarthy in «The Heat». Bild: © 20th Century Fox
Sandra Bullock (links) und Melissa McCarthy in «The Heat». Bild: © 20th Century Fox

Das Wort, das in den USA niemand im öffentlichen Fernsehen in den Mund nehmen darf und das auch dafür sorgt, dass die Altersbegrenzung eines Kinofilms wegen «explicit language» nach oben gesetzt wird, fällt in «The Heat» sage und schreibe 190 Mal. Paul Feig, der Regisseur der neuen Actionkomödie mit Melissa McCarthy und Sandra Bullock in den Hauptrollen, hat darüber Buch geführt.

In der Hauptsache kommt dieses eine Wort in «The Heat» aus einem einzigen Mund: aus jenem der 43-jährigen Schauspielerin Melissa McCarthy. Anlässlich einer Pressekonferenz in New York mit Regisseur Paul Feig, Drehbuchautorin  Kate Dippold und Sandra Bullock, zeigt sich McCarthy allerdings äusserst brav. Mit ihrem blumigen Sommerkleid und der adretten Frisur sieht sie aus, als käme sie direkt von der Sonntagsschule. «Was das Fluchen anbetrifft, dafür kann ich nichts», meinte sie an jenem Tag vor versammelter Presse lakonisch. «Ich bin irischer Abstammung, das Ganze hat einen genetischen Ursprung. Zudem hat mich Paul Feig erst in Ruhe gelassen, als mir keine Schimpfwörter mehr in den Sinn kamen.»

Fluchwörter (und die Diskussion darüber bei Medienkonferenzen) dienen im Falle von «The Heat» zwar als Einstieg, um über diese von Weiblichkeit dominierte Actionkomödie in ansonsten von Testosteron bevölkerten Sommerkinoleinwänden zu sprechen. Doch McCarthy auf die vordergründige Deftigkeit der von ihr verkörperten Charaktere zu reduzieren, würde heissen, einer hochtalentierten Schauspielerin nicht genügend Rechnung zu tragen.

Der Inhalt des Films ist dagegen schnell erzählt: eine leicht arrogante, ordnungsliebende, aber beziehungsunfähige FBI-Agentin (Sandra Bullock) wird zwecks Aufklärung einer Drogengeschichte nach Boston geschickt, um an der Seite der dort mit ihren unorthodoxen Methoden äusserst erfolgreichen Polizeibeamtin (Melissa McCarthy) den Fall zu lösen. «The Heat» lässt sich also vordergründig als weibliche Variation altbekannter Cop-Buddyfilme wie «48 Hours», «Beverly Hills Cop» oder «Rush Hour» betrachten. So ist immerhin, einmal abgesehen von ein paar unnötigen Gewaltszenen, die zweistündige Unterhaltung garantiert.

Doch in «The Heat» steckt mehr. Die von Autorin Dippold geschriebenen Szenen basieren oft nur auf simplen Anweisungen und einer Unmenge an Witzen und Pointen, den Rest haben die beiden Darstellerinnen vor laufender Kamera improvisiert. Sandra Bullock zeigt hier aufs Neue, dass ihr die Komödie weitaus besser liegt, als das Drama und McCarthy nutzt die ihr von Feig gewährten Freiheiten in aller Breite und Genüsslichkeit aus. In den besten Momenten vermag das Duo Bullock / McCarthy gar Erinnerung an das beste «Odd Couple» zu wecken, das es je gegeben hat: an Walter Matthau und Jack Lemmon.

Seit ihren Rollen in den TV-Serien «Gilmore Girls» und «Mike  & Molly» weiss man von McCarthy, dass sie es immer wieder schafft, einer «lauten» Darstellung auch «leise» Töne  hinzuzufügen. In «The Heat» deutet zwar zu Beginn alles darauf hin, dass man es hier mit einer Polizistin zu tun hat, die ausser grobschlächtigem Verhalten, bösen Sprüchen und deftigen Ausdrücken nichts zu bieten hat. Wie sie es dann in dieser Umgebung einer doch recht einfach gestrickten Komödie schafft, sich zu «häuten» und in der Folge ihrem Charakter zusätzliche Zwischentöne und Tiefen zu verleihen, zeigt das grosse Talent, das in ihr steckt.

Doch Filme in der Art von «Bridesmaids», «The Heat» oder auch «Identity Thief» sollten letztlich für eine ihres Schlags, die einst in der legendären Comedy-Truppe The Groundlings ihr Handwerk erlernte, nur Zwischenstation sein. Der Erfolg – immerhin wurde sie für «Bridesmaids» für einen Oscar nominiert – erlaubt es ihr, in Zukunft selber zu bestimmen, wie sie vom Kinopublikum wahrgenommen werden möchte. Den ersten nötigen Schritt dafür hat sie bereits eingeleitet: Gemeinsam mit Regisseur, Schauspieler und Ehemann Ben Falcone hat sie die Komödie «Tammy» geschrieben und produziert. Darin wird sie an der Seite von Susan Sarandon und Kathy Bates zeigen können, wieviel noch in ihr steckt.

The Heat. USA 2013. Regie: Paul Feig. Drehbuch: Katie Dippold. Kamera: Robert Yeoman. Musik: Michael Andrews.
Mit: Sandra Bullock (Sarah Ashburn), Melissa McCarthy (Shannon Mullins), Demian Bichir (Hale), Marlon Wayans (Levy), Michael Rapaport (Jason Mullins).

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